Weihnachten ist der Termin, an dem Beziehungen zum ersten Mal wirklich verhandeln müssen. Nicht weil das Fest so wichtig wäre, sondern weil dort zwei komplette Familiensysteme aufeinandertreffen, die beide überzeugt sind, es richtig zu machen.
Bei uns gab es immer Fisch. Bei ihm Würstel. Und dann sitzt man am 24. Dezember um halb sieben in einer Küche und streitet über Beilagen, obwohl es gar nicht um Beilagen geht.
1. Wo sind Sie am Heiligen Abend?
Diese Frage muss vor dem 20. Dezember beantwortet sein. Nicht am 23.
Und sie hat keine perfekte Lösung. Entweder Sie teilen den Abend auf (was fast immer hektisch wird und beide Familien halb enttäuscht), oder Sie wechseln jährlich, oder Sie machen den Heiligen Abend zu zweit und die Feiertage bei den Familien. Die dritte Variante wird unterschätzt und ist in vielen Fällen die vernünftigste.
2. Wie viel wird geschenkt?
Ein Satz, der viel Ärger erspart: „Sagen wir dreißig Euro?" Klingt unromantisch, verhindert aber die klassische Katastrophe, bei der einer eine Uhr auspackt und der andere ein Buch überreicht hat.
Und ein Tipp, der bisher immer gestimmt hat: Das beste Geschenk ist eines, das beweist, dass jemand zugehört hat. Nicht das teuerste. Die Platte, von der Sie im September einmal erzählt haben. Der Kurs, den Sie machen wollten. Das ist mehr wert als jeder Gutschein.
3. Was ist Ihrem Partner an diesem Tag heilig?
In jeder Familie gibt es etwas, das nicht verhandelbar ist. Bei den einen ist es das Turmblasen. Bei den anderen, dass niemand vor dem Glockerl ins Zimmer darf. Bei manchen, dass um zehn alle in die Mette gehen, auch wenn seit zwanzig Jahren niemand mehr regelmäßig in die Kirche geht.
Fragen Sie danach. Ausdrücklich. „Was gehört bei euch unbedingt dazu?" Und dann machen Sie es mit, auch wenn es Ihnen komisch vorkommt. Man muss Traditionen nicht verstehen, um sie zu respektieren.
4. Was tun Sie, wenn die Familie unangenehm wird?
Irgendjemand fragt nach Kindern. Irgendjemand macht eine Bemerkung über den Job. Irgendein Onkel fängt beim dritten Achterl mit Politik an.
Das lässt sich nicht verhindern, aber man kann sich vorher absprechen. Ein Zeichen, ein Satz, eine Ausrede, um kurz an die Luft zu gehen. Und die wichtigste Vereinbarung: Man verteidigt einander vor der eigenen Familie. Nicht erst im Auto auf dem Heimweg.
5. Wie lang bleiben Sie?
Legen Sie die Abfahrtszeit vorher fest. Wirklich. Zwei Menschen, die um 22 Uhr gemeinsam aufstehen und sich verabschieden, wirken souverän. Zwei Menschen, von denen einer um 21 Uhr ungeduldig wird und der andere sich schämt, wirken angespannt, und alle im Raum merken es.
6. Und was ist mit dem 25. und 26.?
Die Feiertage danach sind der eigentliche Test. Der Heilige Abend hat ein Programm. Der Christtag hat nichts, außer zu viel Essen, zu wenig Bewegung und viel Zeit im selben Raum.
Planen Sie etwas, das aus der Wohnung führt. Ein Spaziergang, egal bei welchem Wetter. Wer sich zwei Tage lang nur zwischen Couch und Kühlschrank bewegt, wird gereizt, und dann kommt der Streit, der eigentlich nur Sauerstoffmangel ist.
Ein Wort zur Vorstellungsrunde
Wenn Weihnachten gleichzeitig das erste Treffen mit der Familie ist, dann ist das ein sehr großer Termin auf einmal. Vier Stunden, alle Verwandten, alle Erwartungen, und niemand hat einen Fluchtweg.
Falls es sich irgendwie einrichten lässt: Machen Sie das Kennenlernen vorher, an einem unspektakulären Nachmittag. Ein Kaffee bei den Eltern im November ist harmlos. Derselbe Kaffee am 24. Dezember ist eine Prüfung.
Und wenn es sich nicht einrichten lässt, dann helfen zwei Sachen: eine kleine Aufmerksamkeit mitbringen (nichts Teures, aber etwas, das nicht in letzter Minute an der Tankstelle gekauft wirkt) und vorher zwei, drei Namen lernen. Wer die Schwester beim Namen anspricht, ohne zu zögern, hat schon halb gewonnen.
Wenn es trotzdem schiefgeht
Es geht regelmäßig schief. Bei fast allen. Der erste gemeinsame Advent ist mühsam, weil so viele Erwartungen mitreisen, von denen niemand vorher wusste, dass er sie hat.
Rechnen Sie damit, dass etwas nicht passt, und nehmen Sie es nicht als Urteil über die Beziehung. Ein misslungener 24. Dezember ist ein misslungener Abend, mehr nicht.
Und irgendwann, meistens im dritten oder vierten Jahr, entsteht dann etwas Eigenes. Ein Ritual, das weder von seiner noch von Ihrer Familie kommt. Bei uns ist es das Frühstück am 25. mit Resten vom Vortag, um elf, im Schlafgewand. Nirgends vorgesehen und das Beste am ganzen Fest.



