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Beziehung

Cuffing Season: Wenn im November plötzlich alle eine Beziehung wollen

15. November 2025

Es gibt einen englischen Ausdruck dafür, und er ist unelegant, aber treffend: Cuffing Season. Die Zeit, in der Menschen sich aneinanderketten, weil es draußen ungemütlich ist. Zwischen Mitte November und Aschermittwoch entstehen auffällig viele Beziehungen. Und im Frühling gehen auffällig viele davon wieder auseinander.

Warum uns die Kälte weich macht

Das ist keine Charakterschwäche. Wir sind im Winter mehr drinnen, wir haben mehr Abende zu füllen, wir bewegen uns weniger und schlafen mehr. Das Bedürfnis nach Nähe wird körperlich spürbarer, wenn die Wohnung um sieben Uhr abends still ist und draußen der Schneeregen an den Fenstern hinunterrinnt.

Dazu kommen die Termine. Weihnachtsfeier der Firma, Adventmarkt mit den Freunden, Silvester, die Frage der Großtante beim Weihnachtsessen. Der Winter ist voller Gelegenheiten, an denen Alleinsein sichtbar wird.

Wie man den Unterschied merkt

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Sie sich jemanden wünschen. Die Frage ist, ob Sie sich diesen Menschen wünschen oder eine besetzte Stelle.

Ein paar ziemlich verlässliche Hinweise:

  • Erzählen Sie Ihren Freundinnen von der Person - oder erzählen Sie ihnen davon, dass Sie jemanden kennengelernt haben? Das ist ein feiner, aber sehr aufschlussreicher Unterschied.
  • Freuen Sie sich auf das Treffen, oder freuen Sie sich darauf, dass an dem Abend etwas los ist?
  • Können Sie drei Dinge nennen, die die Person mag und Sie nicht? Wenn nicht, kennen Sie sie vermutlich noch gar nicht.

Und ganz ehrlich: Es ist auch nicht das Ende der Welt, wenn es zunächst die Jahreszeit ist. Aus vielen Winterbekanntschaften wird echte Verbundenheit. Nur sollte man wissen, womit man angefangen hat.

Der November-Turbo

Was in diesen Wochen passiert, geht schnell. Man sieht sich zweimal, dann kocht man zusammen, dann bleibt jemand über Nacht, weil die Bim schon nicht mehr fährt, und drei Wochen später steht die Frage im Raum, ob man zu Weihnachten die Eltern kennenlernt.

Dieses Tempo entsteht durch die Kulisse, nicht durch die Gefühle. Punsch, Lichterketten, kalte Hände, warmes Lokal - das ist eine Bühne, auf der alles größer wirkt. Beziehungsforscher weisen immer wieder darauf hin, dass gemeinsam erlebte Stimmung leicht mit Verliebtheit verwechselt wird.

Das heißt nicht, dass man bremsen muss. Es heißt nur: Merken Sie sich, wie es sich im Feber anfühlt, wenn die Dekoration weg ist und ein ganz normaler Dienstag ansteht.

Der Frühjahrsschwund

Ab Ende Feber wird es interessant. Die Tage werden länger, die Leute gehen wieder hinaus, es gibt wieder Alternativen zum gemeinsamen Abend auf der Couch. Und genau da entscheidet sich, ob aus dem Winter eine Beziehung geworden ist.

Man erkennt es an ganz kleinen Dingen. Werden Sie eingeladen, wenn er mit seinen Freunden Radfahren geht? Wird über den Sommer geredet, über Urlaub, über ein Konzert im Juli? Beziehungen, die halten, machen im Frühling Pläne. Wintergeschichten machen keine.

Wenn Sie das rechtzeitig bemerken, ersparen Sie sich einen unangenehmen März. Und falls die Antwort unangenehm ausfällt: Ein Winter mit jemandem, der freundlich war, ist immer noch kein verlorener Winter.

Wenn Sie auf der anderen Seite stehen

Es gibt auch die Variante, dass jemand Sie als Winterlösung im Auge hat. Die Anzeichen sind ziemlich eindeutig: viel Nähe drinnen, wenig Interesse an Ihrem Leben draußen. Sie lernen niemanden kennen. Wochenendpläne entstehen kurzfristig. Über den Frühling wird nie geredet.

Sagen Sie es an, freundlich und ohne Drama: „Ich hab das Gefühl, wir sehen uns nur, wenn es dir gerade passt. Wie siehst du das?" Die Antwort kommt oft schneller und ehrlicher, als man fürchtet.

Und noch etwas: Wer selber merkt, dass er gerade nur eine warme Gesellschaft für den Winter sucht, sollte das sagen. Ehrlichkeit über die eigenen Absichten ist unangenehm für zehn Minuten und fair für Monate. Es gibt genug Menschen, denen das reicht, und die sind dann auch die richtigen.

Der Winter allein ist auch nicht verloren

Ich will hier gar nicht so tun, als wäre das leicht. Es gibt Abende im Jänner, an denen das Alleinsein schwerer wiegt als im Juni, und das darf man ruhig sagen.

Aber die Rechnung, dass eine mittelmäßige Beziehung besser ist als ein guter eigener Winter, geht selten auf. Man merkt es spätestens beim ersten gemeinsamen Streit über die Heizkosten.

Machen Sie sich den Winter warm, so gut es geht. Eine Adventrunde mit Freundinnen, ein Kochabend, an dem alle etwas mitbringen, ein Wochenende am Semmering, die Skisaison, wenn Sie das mögen. Und wenn dabei jemand hängen bleibt: umso besser.

Nur bitte nicht wegen der Heizung. Die kann man auch selber aufdrehen.

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