Es gibt diesen Satz, den alle sagen: Warte den Frühling ab, dann wird es besser. Und dann kommt der Frühling, die Sonne steht ab halb sieben über den Dächern, in den Schanigärten sitzen die ersten Leute in Jacken, und es wird nicht besser. Es wird komischerweise schlimmer.
Warum das so ist
Der Winter erlaubt Rückzug. Wer im Feber um sechs die Rollos runterlässt und sich einwickelt, tut nichts Auffälliges. Der Frühling nimmt einem diese Ausrede weg. Draußen ist Betrieb, alle wirken aufgeräumt, und die eigene Traurigkeit passt plötzlich nicht mehr zur Kulisse.
Dazu kommt: Im Winter kann man sich einreden, dass es an der Jahreszeit liegt. Wenn dann der Flieder blüht und man immer noch schwer ist, fällt diese Erklärung weg. Das ist unangenehm, aber es ist auch ehrlicher.
Der Rückfall, den fast alle haben
Ungefähr im dritten oder vierten Monat nach einer Trennung kommt oft ein zweites Tief. Die erste Phase war akut, laut, es gab viel zu regeln. Dann kam eine Zeit, in der es überraschend gut ging und man dachte, man hat es hinter sich.
Und dann, ohne Vorwarnung, an einem ganz normalen Dienstag im März: alles wieder da.
Das ist kein Zeichen, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Es ist normal, dass Trauer in Wellen kommt und nicht auf einer schiefen Ebene bergab läuft. Wer das vorher weiß, erschrickt weniger.
Was tatsächlich trägt
Ich schreibe hier nichts über Selbstfindungsreisen. Die haben ihren Platz, aber die meisten Menschen haben weder das Geld noch drei Wochen Urlaub übrig.
- Struktur. Aufstehen zur selben Zeit, auch am Wochenende. Klingt streng, ist aber das Gerüst, das alles andere hält.
- Bewegung, und zwar draußen. Im März geht das wieder ohne Überwindung. Eine Stunde am Donaukanal, den Wienerwald hinauf, in Graz auf den Schlossberg, was auch immer in Ihrer Nähe ist.
- Zwei, drei Menschen, die von Ihnen die ungeschminkte Version hören dürfen. Nicht zwanzig. Zwei oder drei.
- Etwas in der Wohnung verändern. Die Couch umstellen, den Kasten ausräumen, die Wand streichen. Der Raum erinnert sich, und man kann ihm etwas Neues geben.
Was nicht hilft, auch wenn es alle vorschlagen
Sofort wieder daten, um „auf andere Gedanken zu kommen". Es funktioniert für ein Wochenende und rächt sich in der Woche danach, und es ist unfair gegenüber der Person, die zufällig hineingerät.
Ständig analysieren, was schiefgelaufen ist. Ein bisschen davon ist nötig. Aber nach dem vierzigsten Durchgang produziert der Kopf keine Erkenntnis mehr, nur noch Schleifen.
Und: die Sachen aufheben. Der Pullover, der noch riecht wie er, das Foto am Kühlschrank. In eine Kiste, Kiste in den Keller. Nicht wegwerfen, wenn Sie das nicht können. Nur weg aus dem Blickfeld.
Die Sache mit dem Rückwärtsschauen
Es gibt einen Punkt, an dem man merkt, dass man die Beziehung besser erinnert, als sie war. Meistens passiert das genau dann, wenn es einem ein bisschen besser geht.
Da hilft ein nüchterner Blick: Warum ist es auseinandergegangen? Nicht die höfliche Version für die Verwandtschaft. Die echte. Die meisten Menschen kennen sie und weichen ihr aus, weil sie unangenehm ist.
Der gemeinsame Freundeskreis
Ein Teil, über den selten geschrieben wird und der viele mehr trifft als erwartet: Nach einer längeren Beziehung verliert man nicht nur einen Menschen, sondern ein halbes Umfeld. Die Freunde, die eigentlich seine waren. Die Paare, mit denen man immer zu viert war und bei denen es jetzt seltsam ist.
Man muss das nicht kämpferisch regeln. Aber man darf es benennen, und zwar bei den Leuten, die einem wichtig sind: „Ich hätte gern, dass wir in Kontakt bleiben, unabhängig davon, wie das mit uns beiden ausgegangen ist." Die meisten reagieren erleichtert, weil sie selber nicht wussten, wie sie sich verhalten sollen.
Und gleichzeitig ist der Frühling ein guter Zeitpunkt, alte Kontakte auszugraben. Die Studienkollegin, mit der man sich zuletzt vor drei Jahren getroffen hat. Es kostet eine Nachricht.
Wann Sie sich Hilfe holen sollten
Wenn Sie über Wochen nicht schlafen. Wenn Ihnen die Arbeit nicht mehr gelingt. Wenn nichts mehr Freude macht, wirklich gar nichts. Dann ist ein Termin bei einer Psychologin oder Psychotherapeutin genau das Richtige, und in Österreich gibt es dafür kassenfinanzierte Plätze und Beratungsstellen, die man ohne Umweg anrufen kann.
Sich Hilfe zu holen ist kein Eingeständnis, dass man es allein nicht schafft. Es ist eine Abkürzung.
Und irgendwann
Irgendwann, meistens ohne dass man es bemerkt, geht ein Tag vorbei, an dem Sie nicht daran gedacht haben. Dann zwei. Sie werden es erst hinterher merken, und Sie werden sich fast ein bisschen schuldig fühlen.
Tun Sie es nicht. Das ist genau der Weg, den es nimmt. Machen Sie das Fenster auf, es riecht schon nach nassem Gras.



