Die Christbäume liegen auf der Straße, die Kekse sind aus, und irgendwo zwischen dem 2. und dem 7. Jänner beginnt in vielen Köpfen dieselbe Liste. Mehr Sport. Weniger Handy. Und, meistens ganz unten und in kleinerer Schrift: heuer endlich jemanden finden.
Streichen Sie den letzten Punkt.
Warum das ein schlechter Vorsatz ist
Ein Vorsatz funktioniert, wenn er eine Handlung beschreibt, die man selber setzen kann. „Dreimal in der Woche laufen" ist so einer. „Nächstes Jahr um zehn Kilo leichter sein" ist schon schwieriger. „Jemanden finden" ist unmöglich, weil die zweite Hälfte davon einem anderen Menschen gehört, den Sie noch nicht kennen.
Und ein Vorsatz, den man nicht in der Hand hat, wird zum Vorwurf. Im März schauen Sie darauf und denken: Ich hab schon wieder nichts geschafft. Dabei haben Sie vielleicht sehr viel geschafft, nur eben nichts, was auf dieser Liste steht.
Was man stattdessen aufschreiben kann
Alles, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, ohne das Ergebnis zu erzwingen.
- Einmal im Monat etwas machen, wo fremde Menschen sind. Ein Kurs an der VHS, ein Konzert, ein Vereinsabend. Nicht als Jagd, sondern als Gewohnheit.
- Auf Nachrichten antworten, statt sie drei Tage liegen zu lassen und dann zu vergessen. Klingt lächerlich, ist aber bei vielen der eigentliche Engpass.
- Zusagen. Auch wenn es regnet. Auch wenn man müde ist. Auch wenn die Person „eigentlich nicht ganz mein Typ" ist - der Typ hat, bei allem Respekt, bisher auch nicht funktioniert.
- Und einmal im Quartal ehrlich hinschauen, ob man wirklich sucht oder nur so tut.
Der Jänner ist ohnehin ein seltsamer Monat
Es ist finster, es ist teuer, die Weihnachtsrechnungen kommen, und alle sind schlecht gelaunt. Das ist kein guter Zeitpunkt für große Lebensbeschlüsse. Es ist ein guter Zeitpunkt für kleine.
Was mir persönlich am meisten geholfen hat: die Wohnung im Jänner ein bisschen freundlicher machen. Eine gute Lampe statt der Deckenbeleuchtung. Frische Bettwäsche unter der Woche, nicht nur am Sonntag. Am Fensterbrett irgendwas Grünes. Das klingt nach Wohnzeitschrift, aber wer den Winter allein verbringt, verbringt ihn zu einem großen Teil in diesen vier Wänden, und es macht einen Unterschied, ob die einem guttun.
Die App im Jänner
Statistisch ist die erste Jännerwoche die aktivste Zeit auf Dating-Plattformen im ganzen Jahr. Alle sind da, alle haben Zeit, alle haben gerade Weihnachten mit der Familie hinter sich und wissen wieder ganz genau, was sie nicht wollen.
Wenn Sie ohnehin auf einer App sind: Machen Sie Anfang Jänner das Profil neu. Nicht kosmetisch, sondern inhaltlich. Weg mit den Sätzen, die auf jedem zweiten Profil stehen („liebe Reisen, gutes Essen und Lachen"). Hin zu etwas Konkretem, an dem sich jemand anhalten kann. Wer schreibt, dass er jeden Sonntag um sieben in der Früh in der Hohen Wand ist und den Kaffee aus der Thermoskanne besser findet als jeden Barista, bekommt weniger Nachrichten. Aber die richtigen.
Der Vorsatz, den kaum jemand fasst
Es gibt einen, der klingt unromantisch und wirkt trotzdem am stärksten: sich selber zu einem Menschen zu machen, mit dem man gern Zeit verbringt.
Das meine ich ganz praktisch. Haben Sie etwas, worüber Sie begeistert reden können? Gibt es einen Ort, an den Sie regelmäßig gehen und an dem man Sie kennt? Können Sie eine Geschichte erzählen, die nicht von der Arbeit handelt?
Wer im Jänner beschließt, in irgendeiner Sache besser zu werden - Kochen, Klettern, Fotografieren, Reparieren, egal was -, hat im Juni etwas, das er mitbringt. Und mitbringen ist im Kennenlernen die halbe Miete. Anziehend ist selten der Mensch, der nichts vorhat, sondern der, in dessen Leben etwas los ist.
Der Nebeneffekt ist ohnehin der bessere: Selbst wenn heuer niemand dazukommt, haben Sie etwas gelernt.
Der Punkt, an dem es kippt
Suchen ist gut. Verzweifeltes Suchen ist es nicht, und der Unterschied ist von außen sofort sichtbar. Menschen spüren, wenn sie nicht als Person gemeint sind, sondern als Lösung.
Wenn Sie merken, dass jeder Chat sich anfühlt wie eine Bewerbung, dass jede Absage weh tut wie ein Urteil, dann legen Sie es für vier Wochen weg. Das ist kein Aufgeben. Das ist Instandhaltung.
Am Ende des Jahres
Im Dezember schauen Sie zurück und sehen entweder: Ich habe jemanden kennengelernt. Oder: Ich habe ein Jahr gehabt, in dem einiges los war und in dem ich mich nicht schlecht gefühlt habe, weil etwas gefehlt hat.
Beides ist ein gutes Jahr. Nur das zweite können Sie sich selber schenken.



