Die Osterfeiertage sind für viele die erste Gelegenheit im Jahr, wieder größere Runden zu treffen. Familie, alte Freunde, Leute, die man seit Weihnachten nicht gesehen hat. Und genau da liegt eine Möglichkeit herum, die die meisten unbenutzt lassen.
Warum das besser funktioniert als eine App
Auf einer App beginnt man bei null. Man weiß nichts, man muss alles herausfinden, und man muss dem Gegenüber glauben, was es über sich behauptet.
Über den Freundeskreis kommt jemand mit Vorgeschichte. Irgendjemand kann sagen: Der ist verlässlich. Oder: Pass auf, die ist gerade erst aus einer langen Sache raus. Diese Information ist mehr wert als vierzig Chatnachrichten.
Dazu kommt der einfache Umstand, dass man einander in einem natürlichen Umfeld trifft. Kein Bewerbungsgespräch bei Kaffee. Sondern ein Abend, an dem beide zufällig da sind, und wenn nichts wird, ist es auch nicht peinlich.
Der Grund, warum es trotzdem selten passiert
Weil niemand fragt. Es ist uns unangenehm.
„Kennst du wen für mich?" klingt in unseren Ohren nach Bedürftigkeit. Dabei hören es die meisten Menschen gern, weil sie gern helfen und weil Verkuppeln, seien wir ehrlich, ein Riesenspaß ist.
Sagen Sie es also. Ganz beiläufig, ohne Pathos: „Falls dir wer einfällt, ich bin offen." Das genügt. Sie werden überrascht sein, wie viele Leute daraufhin anfangen zu überlegen.
Was Sie dabei nicht tun sollten
- Keine Liste an Anforderungen mitliefern. Wer sagt „zwischen 35 und 42, sportlich, keine Kinder, mindestens Matura", bekommt niemanden, weil sich niemand traut.
- Nicht drängen. Einmal erwähnen reicht, zweimal ist okay, dreimal wird mühsam.
- Und wenn es nichts wird: bitte kein schlechtes Gefühl bei der Person, die vermittelt hat. Sonst macht sie es nie wieder.
Die Sache mit dem Gruppen-Setting
Ein direktes Blind Date zu zweit ist für alle Beteiligten anstrengend. Viel besser: ein Abend mit fünf, sechs Leuten, bei dem beide dabei sind, ohne dass es angekündigt wird.
Das nimmt sämtlichen Druck raus. Man redet, oder man redet nicht. Wenn es funkt, ergibt sich ein zweites Treffen von selber. Wenn nicht, war es ein netter Abend mit Freunden.
Im Frühling ist das leicht zu organisieren. Die ersten Grillabende, ein Ausflug in die Wachau, ein Nachmittag im Prater, ein Heurigenbesuch, wenn das Wetter passt. Alles besser als ein reserviertes Zweiertischerl mit Kerze.
Wenn Sie selber verkuppeln wollen
Auch dafür gibt es ein paar Regeln, und die meisten Leute halten sich an keine davon.
- Fragen Sie beide vorher. Niemand mag Überraschungen dieser Art, und ein Abend, an dem einer nichts geahnt hat, geht selten gut aus.
- Beschreiben Sie die Person ehrlich, nicht werbend. Wer als „total lustig und wahnsinnig gut ausschauend" angekündigt wird, kann eigentlich nur verlieren.
- Und dann: sich raushalten. Kein Nachfragen am nächsten Tag, keine Zwischenberichte. Was daraus wird, geht Sie nur so weit etwas an, wie man es Ihnen erzählt.
Wenn es dann etwas wird
Es gibt einen Nachteil, und der ist real: Wenn es schiefgeht, sind Freundschaften mitbetroffen. Der gemeinsame Bekannte steht dann zwischen zwei Leuten, die sich nicht mehr sehen wollen.
Das lässt sich nicht ganz verhindern, aber man kann es entschärfen, indem man von Anfang an nicht den ganzen Freundeskreis zum Publikum macht. Nicht jede Entwicklung muss in die Gruppe berichtet werden. Ein bisschen Diskretion schützt am Ende alle.
Die Kollegen und die Nachbarschaft
Der erweiterte Kreis wird gern vergessen. Die Leute aus dem Büro haben ein Privatleben mit Geschwistern, Cousinen und Vereinskollegen. Der Nachbar im dritten Stock kennt das halbe Haus.
Man muss das nicht strategisch betreiben, das wäre unangenehm. Aber wer im Frühling zusagt, wenn eine Kollegin zum Geburtstag einlädt, statt sich mit „ich bin müde" herauszureden, sitzt an einem Tisch mit acht fremden Menschen. Und genau dort passieren die Dinge.
Und der Freundeskreis selbst?
Die heikelste Variante: sich in eine Freundin oder einen Freund zu verlieben. Passiert öfter, als es öffentlich zugegeben wird, und geht ungefähr in der Hälfte der Fälle gut aus.
Mein Rat, so unbequem er ist: sagen. Einmal, klar, ohne Druck, mit dem ausgesprochenen Zusatz, dass die Freundschaft dadurch nicht kaputtgehen muss. Jahrelang mit einem halben Auge hinzuschielen und zu hoffen, ist der schlechtere Weg, und er zerstört die Freundschaft langsamer, aber verlässlicher.
Zum Schluss
Es gibt eine Statistik, die man nicht messen kann, aber jeder kennt sie aus dem eigenen Umfeld: Die meisten Paare, die man persönlich kennt, sind über Umwege entstanden. Ein Fest, ein gemeinsamer Bekannter, eine Wohnungssuche, ein Umzug, bei dem jemand mithelfen kam.
Das heißt nicht, dass die Apps schlecht sind. Es heißt nur, dass man das Naheliegende nicht vergessen sollte, während man wischt.
Sagen Sie es dieses Ostern einmal laut. Mehr braucht es oft nicht.



