Über erste Dates gibt es ganze Bibliotheken. Was anziehen, wo hingehen, wer zahlt, wie lange bleiben. Über das zweite Date redet niemand. Dabei ist genau dort der Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus einem netten Abend etwas wird.
Warum das erste Date wenig aussagt
Beim ersten Treffen läuft ein Programm ab, das wir alle beherrschen. Man erzählt die eingeübte Version der eigenen Geschichte, man lacht ein bisschen zu schnell, man stellt Fragen, die man schon fünfzehnmal gestellt hat. Das ist nicht unehrlich, das ist Nervosität mit Manieren.
Beim zweiten Treffen ist das Programm aufgebraucht. Die Standardgeschichten sind erzählt. Und jetzt muss man tatsächlich miteinander reden.
Genau deshalb ist es so aufschlussreich - und deshalb fürchten es viele mehr als das erste.
Der häufigste Fehler: dieselbe Kulisse noch einmal
Erstes Date: Kaffee. Zweites Date: wieder Kaffee, nur ein anderes Lokal. Und man wundert sich, dass es sich anfühlt wie eine Wiederholung mit weniger Spannung.
Wechseln Sie den Rahmen. Beim ersten Mal sitzt man einander gegenüber und schaut sich an, das ist quasi ein Interview. Beim zweiten Mal sollte man nebeneinander etwas tun. Nebeneinander redet es sich anders. Ruhiger, ehrlicher, mit Pausen, die nicht peinlich sind.
Im Oktober bietet sich das geradezu an: eine Runde über den Naschmarkt am Samstagvormittag, ein Nachmittag im Kunsthistorischen, wenn draußen der Regen gegen die Fenster geht, eine Wanderung auf den Kahlenberg mit Punsch danach. Oder etwas ganz Banales: gemeinsam einkaufen und bei einem von beiden kochen. Klingt nach schnellem Schritt, ist aber überraschend entspannt, weil man Hände beschäftigt hat.
Was Sie beim zweiten Mal wirklich herausfinden sollten
Nicht: Was macht die Person beruflich, wie viele Geschwister, welches Sternzeichen. Das war Runde eins.
Sondern:
- Wie redet sie über Menschen, die nicht anwesend sind? Über die Ex, über Kolleginnen, über die Kellnerin, die den falschen Kaffee gebracht hat. Da erfährt man mehr als in drei Stunden Selbstbeschreibung.
- Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Der Zug fällt aus, das Lokal hat zu, es schüttet. Kleiner Ärger, große Auskunft.
- Kann sie eine Stille aushalten?
- Und ganz nüchtern: Wollen Sie sie noch einmal sehen, wenn Sie eine Woche später daran denken - oder nur, weil es gerade so praktisch läuft?
Reden Sie über etwas Echtes
Es muss nicht die große Lebensbeichte sein. Aber ein kleines echtes Detail verändert die Temperatur eines Abends sofort. Dass Sie sich vor Autobahnfahrten fürchten. Dass Sie am liebsten allein ins Kino gehen. Dass Ihre Mutter Sie jeden Sonntag anruft und Sie das gleichzeitig nervt und beruhigt.
Menschen erwidern Offenheit fast automatisch. Und wenn nicht, dann wissen Sie auch etwas.
Der Zeitpunkt
Zwischen erstem und zweitem Date sollten nicht drei Wochen liegen. Nach drei Wochen ist die Erinnerung an das Gefühl weg, es bleibt nur die Erinnerung an die Fakten, und Fakten haben noch nie jemanden verliebt gemacht.
Vier bis sieben Tage sind ein guter Abstand. Nah genug, dass die Sache noch warm ist. Weit genug, dass es nicht überstürzt wirkt.
Die Frage nach dem Zahlen, kurz und schmerzlos
Beim ersten Mal hat vermutlich einer eingeladen oder man hat geteilt. Beim zweiten Mal wird es interessant, weil sich hier ein Muster einschleift, das dann bleibt.
Meine Empfehlung: abwechseln, ohne Buchhaltung. Wer beim ersten Mal gezahlt hat, lässt sich beim zweiten Mal einladen. Das ist unkompliziert und macht aus zwei Treffen eine kleine Serie, weil ja noch etwas offen ist.
Und bitte kein Theater um zwölf Euro. Nichts wirkt kleinlicher, als am Ende eines schönen Abends den Taschenrechner zu zücken.
Und wenn es sich zäh anfühlt
Dann muss man nicht sofort aufgeben. Zweite Dates sind oft die unspektakulärsten, weil der Reiz des Neuen weg ist und die Vertrautheit noch nicht da. Beziehungsforscher weisen immer wieder darauf hin, dass sich echte Anziehung häufig erst über mehrere Treffen zeigt, nicht im ersten Funkenflug.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen „noch etwas holprig" und „ich schau alle zehn Minuten auf die Uhr". Den kennt man selber ganz genau, man redet ihn sich nur gern aus.
Wenn Sie nach dem zweiten Mal ehrlich nichts spüren: sagen Sie es freundlich und kurz. Ein klarer Satz ist ein Geschenk, verglichen mit langsamem Verschwinden. Und Sie wissen selber, wie sich das anfühlt, wenn es einem passiert.
Beim dritten Mal wird es dann übrigens meistens leicht. Da weiß man schon, wie der andere seinen Kaffee trinkt, und das ist mehr wert, als es klingt.



